Der Cocodona ist nichts für schwache Nerven. Das Terrain ist gnadenlos, das Wetter unberechenbar und der Spielraum für Fehler verschwindend gering. Drei Jahre in Folge stand Rachel Entrekin an der Startlinie und jedes Mal ging sie als Siegerin hervor. Doch 2026 reichte ihr der Sieg im Frauenfeld nicht mehr. Dieses Mal ließ sie das gesamte Teilnehmerfeld hinter sich – sowohl Männer als auch Frauen – und stellte mit 56 Stunden, 9 Minuten und 48 Sekunden einen neuen Gesamtrekord auf.
Aber wie bereitet man sich eigentlich auf 250 Meilen durch unerbittliches Wüstengelände vor? Wie schafft man es, nicht nur durchzukommen, sondern die Geschichtsbücher neu zu schreiben? Wir werfen einen genauen Blick darauf, wie Rachel Entrekin eine der besten Leistungen abgeliefert hat, die der Trailrunning-Sport je gesehen hat.
Jahrelange Erfahrung
Schon bevor Rachel 2026 überhaupt einen Fuß auf die Strecke setzte, hatte sie den Cocodona mehrfach gewonnen. 2024 holte sie sich mit einer Zeit von 73:31:25 den Sieg im Frauenfeld. Ein Jahr später kehrte sie zurück, verteidigte ihren Titel und stellte mit 63:50:55 zugleich einen neuen Frauen-Streckenrekord auf.

Rachel biem Cocodona 2025
Natürlich haben erfahrene Athlet:innen einen Vorteil. Sie kennen die tückischen Abschnitte der Strecke, wissen, wo sie sich im Vergleich zu den Vorjahren verbessern können, und haben ein Gefühl dafür, wie ihr Körper unter extremem Druck reagiert. Genau diese Erfahrung brachte Rachel schließlich dazu, mit Tabellen und Daten zu arbeiten – etwas, das eigentlich überhaupt nicht ihr Ding ist. Doch sie wusste: Für ihr Ziel 2026 musste sie ihre Vorbereitung akribischer angehen als je zuvor.
Das Ziel klang simpel: unter 60 Stunden bleiben. Die Herausforderung begann allerdings beim Rechnen. Egal wie oft sie ihre Splits und Pacing-Pläne durchging – am Ende kam sie immer wieder auf dieselbe Prognose: Im besten Fall 61 Stunden und 50 Minuten.
Die Vorbereitung auf Sub-60
Ein neuer Streckenrekord entsteht nicht zufällig. Rachel arbeitete eng mit ihrer Ernährungsberaterin zusammen, passte ihre Rennstrategie unterwegs flexibel an und investierte mehr Zeit denn je in ihr tägliches Training. Am Ende griff alles perfekt ineinander. Besonders spannend ist dabei der Blick auf die letzten sechs Monate ihrer Vorbereitung, denn genau dort wird sichtbar, wie gezielt sie auf diesen Lauf hingearbeitet hat.
Trainingsumfang und -zeit

Zwischen dem 1. Dezember 2025 und dem 1. Mai 2026 sammelte Rachel insgesamt 1.711,63 Meilen in 329 Stunden, 18 Minuten und 25 Sekunden Trainingszeit. Das entspricht im Schnitt 65,83 Meilen (ca. 100 km) pro Woche – verteilt auf rund 12 Stunden und 40 Minuten Training.
Eine typische Woche bestand aus mehreren langen Läufen, kombiniert mit gezielten Regenerationstagen direkt danach. Wer sich ihr Trainingsprotokoll genauer ansieht, erkennt schnell ein klares Muster: Viele Wochen umfassten vier bis sechs Einheiten mit häufig mehr als 15.000 Fuß (ca. 4.500 m) Gesamtanstieg.
Für die spezifische Ultra-Vorbereitung setzte Rachel immer wieder auf aufeinanderfolgende harte Tage mit hohem Umfang. Sie gönnte ihrem Körper danach aber konsequent die nötige Erholung.

Hinweis von COROS: Konstanz ist für viele Hobbyläufer:innen ein wichtiger Schlüssel. Wirklich entscheidend für Spitzenleistungen ist jedoch Spezifität. Rachel bereitete sich extrem gezielt auf den Cocodona vor und belastete ihren Körper möglichst genau so, wie es sie später im Rennen erwarten würde.
Herzfrequenz-Verteilung: Ein ungewöhnlicher Ansatz
Viele Ultraläufer:innen – genauso wie Athlet:innen auf kürzeren Distanzen – verbringen den Großteil ihres Trainings in Herzfrequenzzone 1 und 2. So lässt sich der Umfang sicher steigern und gleichzeitig die Laufeffizienz verbessern. Rachels Trainingsdaten zeigen allerdings ein deutlich ungewöhnlicheres Bild: Ihre Belastung war erstaunlich gleichmäßig über die für Ausdauerleistung relevanten Zonen verteilt.

Fast exakt die Hälfte ihrer Trainingszeit in den vergangenen sechs Monaten (50,7 %) absolvierte sie in Zone 1 und 2. Weitere 44,5 % verbrachte sie in den Zonen 3 und 4. Nur die verbleibenden 4,8 % entfielen auf VO2max-Belastungen oder intensivere Bereiche. Allein diese Verteilung ist im Elite-Ultrabereich bereits bemerkenswert. Kombiniert man sie jedoch damit, dass Rachel meist nur vier bis fünf Tage pro Woche trainierte und bewusst viele Regenerationstage einplante, wird ihr Ansatz noch klarer: Rachel trainierte nicht einfach nur darauf, möglichst viel zu laufen – sie trainierte darauf, schnell zu laufen. Gleichzeitig gab sie ihrem Körper genügend Zeit, sich an die Belastung anzupassen. Vielleicht hatte sie nicht die meisten Kilometer in den Beinen, doch ihr Körper war perfekt auf genau die Intensität vorbereitet, die sie im Rennen abrufen wollte.
Eine typische Trainingseinheit

Ein gutes Beispiel dafür ist der 13. Februar 2026. An diesem Tag absolvierte Rachel eine ihrer typischen Trainingseinheiten: ein über fünf Stunden langer Lauf über Marathon-Distanz mit 3.753 Fuß (ca. 1.140 m) Höhengewinn.
Ganz im Sinne ihres Trainingsansatzes lag ihre durchschnittliche Herzfrequenz bei 147 Schlägen pro Minute, das Tempo bei 13:15 Minuten pro Meile. Der vielleicht wichtigste Punkt dabei: Rachel trainierte gezielt für die Downhill-Passagen der Strecke. Besonders interessant ist nämlich, wie sie die Abstiege lief. Bergab ging sie regelmäßig ans Limit und erreichte dabei oft Werte von über 170 bpm. Während viele Athlet:innen die Downhills nutzen, um sich zu erholen, machte Rachel genau das Gegenteil: bergauf Kräfte sparen – und bergab attackieren, sobald die Schwerkraft mitarbeitet.
COROS-Hinweis: Im Training trägt Rachel die COROS APEX 4 zusammen mit dem COROS Herzfrequenzmonitor. Beim Rennen selbst entschied sie sich wegen der längeren Akkulaufzeit für die COROS VERTIX 2S.
Die erste Rennhälfte: Vom Start bis Jerome
Als am 4. Mai 2026 um Punkt 5 Uhr morgens der Startschuss fiel, war der Cocodona 250 offiziell eröffnet. Die Nervosität war greifbar und das völlig zurecht. Vor den mehr als 400 gemeldeten Teilnehmer:innen lag eine Herausforderung, die selbst erfahrene Ultraläufer:innen an ihre Grenzen bringt. Durch das Adrenalin schoss Rachels Puls direkt zu Beginn in die Höhe. Tatsächlich erreichte sie bereits in den ersten drei Minuten ihren höchsten Herzfrequenzwert des gesamten Rennens: 184 bpm.
Mill Creek Ranch Aid Station (Meile 24,7)

Schon vom Start weg waren Rachels Tempo und ihre Herzfrequenz ungewöhnlich hoch. Um die angepeilte Marke von unter 60 Stunden zu knacken, musste sie im Schnitt eine Pace von 14:00 Minuten pro Meile halten. Gleichzeitig wollte sie von Beginn an vorne im Frauenfeld mitlaufen – und genau das gelang ihr. Bereits an einer der ersten wichtigen Verpflegungsstationen kam sie mit einem kleinen Vorsprung an.
COROS-Hinweis: Effort Pace berücksichtigt sowohl die Steigung als auch die Effizienz der Athlet:innen bei Anstiegen anhand der Herzfrequenz. Obwohl Rachel tatsächlich eine Pace von 11:18 Minuten pro Meile lief, fühlte es sich für ihren Körper eher wie 9:23 Minuten pro Meile an.
Arrastra Creek Aid Station (Meile 25–51)

In den darauffolgenden fünf Stunden hielt Rachel nahezu exakt dieselbe Intensität. Sie lief das Rennen genauso, wie sie es trainiert hatte – kontrolliert aggressiv. Dadurch konnte sie zu den Gesamtführenden aufschließen und gemeinsam mit Kevin Taddonio und Joe McConaughy laufen. Für Rachel bedeutete das auch eine kurze mentale Entlastung: Statt allein als Führende des Frauenfelds unterwegs zu sein, bewegte sie sich nun mitten im Spitzenfeld. Gemeinsam erreichten sie Arrastra Creek rund 40 Minuten unter dem bisherigen Gesamtrekord-Kurs von Dan Green, der 2025 eine Zeit von 58:47:18 gelaufen war.
Whiskey Row bis Fain Ranch (Meile 75–96)

Als am ersten Tag des Cocodona die Sonne unterging, hatte sich Rachel bereits von der Spitzengruppe abgesetzt. Ihr Ziel war klar: kompromisslos durch die Nacht pushen. Trotz der immer härteren Bedingungen hielt sie ihr aggressives Tempo weiter aufrecht. Dabei gewann sie nicht nur Zeit auf ihre Konkurrenz, sondern distanzierte zunehmend auch den bisherigen Streckenrekord.
Fain Ranch bis Jerome (Meile 96–124,2)

Kurz vor der Hälfte des Rennens erreichte Rachel Jerome mit deutlichem Vorsprung auf das restliche Feld. Ihr Ansatz blieb derselbe: kontrolliert, aber offensiv, ohne größere Schwächephasen. Doch genau dieser Abschnitt war für sie mental entscheidend. In den Jahren zuvor hatte sie das Gefühl gehabt, in der zweiten Rennhälfte zu viel Zeit zu verlieren. Auch wenn es bis dahin stark aussah, wusste Rachel: Die eigentliche Arbeit begann erst jetzt.
Die zweite Rennhälfte: Von Jerome bis ins Ziel

Das Ziel für die zweite Hälfte war klar definiert: schneller sein als im Vorjahr. Damals hatte Rachel für die zweite Rennhälfte 37 Stunden und 2 Minuten gebraucht. Auf dem Papier klingt so ein Ziel greifbar. Im Training lässt es sich visualisieren. Doch nachts, nach bereits 125 absolvierten Meilen, mitten im Kampf gegen Schlafmangel und zunehmende Erschöpfung, sieht die Realität völlig anders aus.
Jerome bis Sedona Posse Grounds (Meile 124,2–155,8)

Als am zweiten Tag langsam die Sonne aufging, wurde das Terrain über die nächsten 32 Meilen etwas laufbarer. Die Strecke war vergleichsweise flach, und Rachel konnte sich in einem konstanten Rhythmus einpendeln: 12:57 Minuten pro Meile bei einer Kadenz von 162 Schritten pro Minute. Doch hinter ihr begann sich etwas zu entwickeln. Killian Korth, ebenfalls COROS-Athlet, setzte langsam zur Aufholjagd an. Seit Whiskey Row hatte er konstant den zweiten Platz gehalten, nun begann er, den Abstand zu Rachel Schritt für Schritt zu verkürzen. Bei noch rund 100 verbleibenden Meilen entwickelte sich zwischen den beiden ein zähes Duell. Über weite Teile blieb Rachels Vorsprung stabil bei ungefähr zwei Meilen.
Sedona Posse bis Wildcat Hill (Meile 155,8–233,7)

Wenn es in diesem Rennen einen Moment gab, in dem der Ausgang tatsächlich offen schien, dann war es dieser Abschnitt. Von hinten drückte das Feld immer stärker nach vorne. Rachel hatte unbemerkt eine Verpflegungsstation verlassen und war direkt wieder in strömenden Regen geraten. Auf dem Mount Elden fiel bereits Schnee. Und als sich die zweite Nacht über das Rennen legte, war sie vorne nur noch mit ihrem Pacer unterwegs – allein, erschöpft und gezwungen, sich tief durchzubeißen, um ihr Tempo zu halten. Sie hätte in diesem Moment unzählige Gründe gehabt, langsamer zu werden. Aber sie tat es nicht.
Die letzte Hürde: Mount Elden

Auch wenn nach dem Mount Elden noch sechs Meilen bis ins Ziel verbleiben, gilt dieser Abschnitt als die entscheidende Schlussprüfung des Rennens. Wer den Gipfel zuerst erreicht, sich auf dem technisch schwierigen Downhill behauptet und sicher Richtung Flagstaff hinunterkommt, hat den Sieg praktisch in der Hand. In den vergangenen Jahren hatte Rachel hier immer wieder Probleme gehabt. Für 2026 setzte sie sich deshalb ein klares Ziel: so viel wie möglich laufen. Und tatsächlich gelang ihr genau das. Nach über 50 Stunden auf den Beinen lief sie nahezu den gesamten Abschnitt durch und baute ihren Vorsprung weiter aus. Der Streckenrekord war nun nicht mehr nur eine Möglichkeit – er lag direkt vor ihr.
Rekorde müssen verdient werden
Als Rachel schließlich die Ziellinie in Flagstaff überquerte, sprach die Uhr für sich: Gesamtzeit: 56:09:48.
Was Rachel beim Cocodona erreicht hat, lässt sich nicht von der Vorbereitung und dem Mindset trennen, die sie bereits Monate vor dem Start aufgebaut hatte.
Die klassische Annahme im Ultrarunning lautet: Je länger das Rennen dauert und je stärker der Schlafmangel wird, desto mehr bricht das Tempo ein. Rachels Rennen 2026 zeigte zwar ebenfalls eine schnelle erste Hälfte, doch entscheidend war etwas anderes: Sie hielt dieses Niveau in der zweiten Hälfte besser als jede Person zuvor. Genau darin spiegelte sich ihr hochspezifisches Training wider. Ihr Körper war präzise auf die Belastung vorbereitet, die sie im Rennen abrufen wollte.
Und als die Müdigkeit nach Jerome schließlich doch kam, stützte sie sich auf zwei Dinge: das konkrete Ziel, ihre eigene zweite Rennhälfte aus dem Vorjahr zu verbessern, und ihr Mantra: Why not me? Was wir erlebt haben, war eine außergewöhnliche Kombination aus Physiologie und mentaler Stärke. Rachel hatte den Motor aufgebaut und sich dann schlicht geweigert, ihn abzustellen.
Nicht jede:r verfügt über die gleichen körperlichen Voraussetzungen wie Rachel Entrekin. Doch ihr Erfolg zeigt vor allem eines: Spezifität schlägt Zufall. Wir gratulieren Rachel nicht nur zu ihrem Rekord, sondern vor allem dazu, wie konsequent sie die Grundlage dafür geschaffen hat, lange bevor sie überhaupt an der Startlinie stand. Solche menschlichen Ausdauerleistungen wirken fast übernatürlich, entstehen aber nie zufällig. Jedes Ergebnis wird verdient.
Glückwunsch an Rachel Entrekin zu diesem neuen Rekord – und dazu, mit dieser Leistung die nächste Generation von Athlet:innen zu inspirieren, sich dieselbe Frage zu stellen: Was ist eigentlich möglich?
Für weitere Einblicke in Rachels mentale Vorbereitung vor dem Rennen lohnt sich auch unser vorheriger Artikel aus den Wochen vor dem Start.
Anmerkung der Redaktion: Die gesamte Analyse wurde vollständig innerhalb des COROS-Ökosystems durchgeführt.

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