Wenn der Körper den Verstand auf die Probe stellt
Ein paar Tage vor dem Western-States-Bewerb machte Francesco Puppi einen 3,5-Stunden-Lauf. Auf dem Papier war alles gut gelaufen: Sein rechter Fuß, der ihm Probleme bereitet hatte, hielt durch. Keine gröberen Schmerzen, keine Warnsignale, kein Grund zur Panik. Nach wochenlanger Vorbereitung, die von Hindernissen gezeichnet gewesen war, gab ihm dieser Lauf wieder etwas Zuversicht.
Diese Zuversicht ist aber sehr fragil, weiß Francesco inzwischen. Ein guter Lauf weckt sie, ein falscher Schritt zerschmettert sie.
„Zuversicht hängt ganz stark von deiner körperlichen Verfassung ab“, erklärt er. „Wenn du laufen kannst, wenn dein Körper mitmacht, fühlst du dich zuversichtlich.“
Der Western States Run kam immer näher und seine Vorbereitungszeit war ganz anders gelaufen als geplant. Ein gebrochenes Handgelenk, schlechter Schlaf, Krankheit und ein Problem mit seinem Fuß kurz vor dem Wettbewerb hatten ihn aus der Bahn geworfen.
Auf Verstandsebene war ihm klar, dass all das zum Sport dazugehört. Als Athlet verletzt du dich manchmal und musst ständig deine Pläne anpassen. Trotzdem war er besorgt, als er COROS sagen musste, dass seine Vorbereitung anders gelaufen war. Den Druck, den er verspürte, hatte er sich komplett selbst auferlegt und der Nachricht mehr Gewicht als nötig gegeben. Für ihn fühlte es sich nach einem Kratzer auf dem Bild des Athleten an, der er meinte, sein zu müssen.

„Eigentlich wusste ich, dass solche Dinge dazugehören“, erklärte er vor der Unterhaltung. „Aber allein schon euch (COROS) sagen zu müssen, dass ich meine Pläne hatte ändern müssen, machte mich nervös und irgendwie ängstlich.“
Francesco hatte Angst vor den Erwartungen – nicht vor dem Schmerz oder der Distanz, sondern davor, seine eigenen Erwartungen zu enttäuschen.
Sein Idealbild vom Athleten
Das vorige Jahr war gut gelaufen, er hatte das Training durchgezogen und ein gutes Ergebnis erreicht. Gute Ergebnisse legen die Latte oft sehr hoch. Sobald ein Athlet einmal zeigt, was er kann, wird es oft schwieriger, schlechtere Ergebnisse zu akzeptieren.
„Dieses Jahr ist alles ein bisschen komplizierter mit den Verletzungen und ein paar Dingen, die mich zurückgeworfen haben“, erzählt er. „Du startest schon mit viel mehr Zweifeln und fragst dich, ob das der richtige Weg ist und ob du wirklich der Athlet bist, der du glaubst zu sein.“
Der Druck kam nicht unbedingt von außen, sondern von seinem Idealbild des Athleten, der er sein wollte, und davon, was die anderen von ihm erwarten könnten. Er hatte neue Partner, mehr Sichtbarkeit und mehr Gründe, um sich verantwortlich zu fühlen. Aber der härteste Richter war immer er selbst.
„Du erlaubst dir nicht zu viele Fehler oder müde oder schwach zu sein“, sagt er. „Selbst wenn du eigentlich weißt, dass Rückschläge zum Sport dazugehören, dass alle mal Verletzungen haben und so weiter – wenn es dir dann selbst passiert, ist es so viel schwerer zu akzeptieren.“
Die Kontrolle zurückgewinnen
Die Angst vor den Erwartungen begann bei Francesco nicht mit dem Western States Run. Jahre zuvor waren sie schon in Form einer schlechten Beziehung zu seinem Körper und Essstörungen zutage getreten. Von außen gab es keinen Anlass, zu hinterfragen, ob er es wirklich draufhatte. Seine Leistung war gut. Aber innerlich verglich er sich ständig mit einem Idealbild.
„Wenn ich diese Leistungen abrufen kann, wieso sehe ich dann nicht wie die anderen Athleten aus? Wieso sieht mein Körper diesem Idealbild eines Athleten nicht ähnlich?“

„Über viele Jahre hinweg war es eine große Anstrengung für mich, das vor anderen Leuten zu verstecken, es zu überspielen und so zu tun, als ob ich ein normaler Mensch wäre – aber der mentale und emotionale Preis dafür ist sehr hoch.“
Die Wende kam nicht mit einem dramatischen Kollaps. Francesco erreichte einfach einen Punkt, an dem er zugeben musste, dass das Problem ihn fest im Griff hatte.
„Ich beschloss vor etwa fünf Jahren, mit einem Sportpsychologen zu arbeiten. Ich wollte endlich diese Dinge in Angriff nehmen und besser auf mich achten. Das mitunter Härteste dabei war, vor mir selbst zuzugeben, dass ich die Situation allein nicht in den Griff bekam und mir Hilfe holen musste.“
Sobald er darüber zu sprechen bekam, lockerte sich der Druck, mit dem ihn sein Problem beherrschte. Es war nicht mehr diese unkontrollierbare Kraft in seinem Inneren, sondern verwandelte sich in etwas, das einen Namen hatte, das er verstehen lernen und als etwas sehen konnte, das ihn nicht mehr definierte.
„Ich bin stolz darauf, dass ich es geschafft habe, das in den Griff zu bekommen, gesund zu werden und dass ich heute eine normale, gesunde Beziehung zu mir selbst habe.“
Gib dem Problem einen Namen, aber definiere dich nicht darüber

Eine der wichtigsten Strategien, die Francesco dabei lernte, war Abstand zu nehmen. Stress, Nervosität, Angst und Scham gehören dazu, aber er ist so viel mehr als diese Gefühle.
„Du lernst zu verstehen, dass du nicht das bist, was du über dich denkst. Deine Gefühle und Gedanken sagen etwas über dich aus, aber es sind eben nur Gefühle und Gedanken. Dann gibt es da auch noch Francesco – das sind zwei verschiedene Dinge.“
Diese Unterscheidung veränderte seine Art, mit schwierigen Situationen umzugehen. Ein Fußproblem ist ein Fußproblem. Es entscheidet nicht, ob er ein guter Mensch oder ob er wertvoll ist.
Eine andere Art von Vorbereitung
Der Western States Run zwang Francesco dazu, „gutes Training“ neu zu definieren. Das Ziel für sein erstes 100-Meilen-Rennen war, einen Körper zu bekommen, der stark genug war, um diese Distanz zu stemmen.
„Fitness ist natürlich wichtig, aber noch viel wichtiger ist, mit der Distanz umgehen zu können und deinen Körper stark genug zu machen, um diese große Anstrengung zu schaffen“, sagt er. „Du brauchst einfach einen widerstandsfähigen Körper.“
Das bedeutete auch, sich von den Zahlen zu verabschieden, die er sehen wollte. Als seine Achillessehne sich meldete, wurde aus einer Woche mit einem geplanten Laufpensum von über 200 km zu einer Woche, in der er 75 km lief und 15 Stunden am Fahrrad trainierte. Immer noch eine starke Leistung, aber nicht die, die er im Kopf gehabt hatte.
In diesen Momenten halfen ihm die COROS-Daten dabei, das große Ganze zu sehen: Trainingsbelastung, Erholungstrends, Cross-Trainings-Volumen und Konstanz. All das hielt ihm vor Augen, dass seine Vorbereitung trotzdem weiterlief.

Für einen tieferen Einblick in Francescos Weg zum Western States Run, sieh dir GOING FURTHER - The Roller Coaster an, wo er seine Höhen und Tiefen, seine Zweifel und seine tägliche Vorbereitung teilt.
Behalte einen nüchternen Blick
Für Francesco wird der Druck weniger, wenn er sich vor Augen hält, dass das Laufen nicht das einzige ist, was ihn zu dem macht, der er ist.
„Du glaubst, die anderen schauen ständig auf dich, beurteilen deine Entscheidungen, deine Trainings, deine Rennen, deine Ergebnisse“, sagt er. „Aber das tun sie gar nicht.“
Sein Rat für jüngere Athlet:innen schlägt in dieselbe Kerbe: „Sei einfach du selbst. Sei, wer auch immer du sein willst.“
„Fearless bedeutet nicht, dass da keine Angst ist. Es bedeutet, den Mut zu haben, dich deinen Ängsten zu stellen, ihren Ursprung zu finden und verletzlich zu sein.“

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