Vor zwei Jahren lief Hans Troyer beim Black Canyon ins Ziel und landete danach mit Komplikationen im Krankenhaus. Im vergangenen Jahr verhinderte eine Erkrankung sogar seinen Start.
Dieses Jahr gewann er in 7:20:00 Stunden und unterbot den Streckenrekord um 4:55.
Der Black Canyon gilt als schnelles Rennen. Hans sieht das etwas anders:
„Black Canyon ist einfach tückisch“, sagt er. „Man kann nicht einfach hingehen und beim ersten Versuch alles perfekt machen. Es ist schwer, das Rennen wirklich richtig zu laufen.“
An diesem Tag gelang es ihm.
Von Anfang an unter Kontrolle

Das Rennen beginnt mit langen, gut laufbaren Downhills. Das verleitet zu einem hohen Anfangstempo. Mit frischen Beinen und der Schwerkraft auf deiner Seite fühlt es sich mühelos an, obwohl man oft schon über dem Limit unterwegs ist.
Hans ließ sich davon nicht mitreißen. Er lief nicht gegen die Uhr, sondern nach Gefühl.
„Ich habe kaum auf die Zeit geschaut. Stattdessen habe ich konstant meine Herzfrequenz im Blick behalten und die blieb völlig im Rahmen.“
Wenn sich das Tempo zu locker anfühlte, übernahm er die Führung. Zogen andere an, ließ er sie gehen, solange es sinnvoll war. Er hörte auf seinen Körper und hielt genau die Intensität, die er kontrollieren konnte.
Am Bumblebee-Checkpoint bei Meile 19 lag die Spitzengruppe bereits unter Rekordtempo. Doch Hans blendete das aus.
„Ich hatte keine Ahnung, dass wir so schnell unterwegs waren. Es fühlte sich einfach locker an. Mein Plan war den ganzen Tag derselbe: kühlen, gut versorgen, im Rennen bleiben und auf die richtigen Momente warten.“
Er blieb ruhig. Diese Disziplin sollte sich später auszahlen.
Die Entscheidung nach Deep Canyon

Der entscheidende Moment kam kurz nach der Deep Canyon Ranch, etwa bei Meile 31.
Der Abschnitt dorthin ist lang und ungeschützt. Viele Läufer:innen kommen dort bereits ermüdet an. Hans nahm Energie auf und erhöhte direkt danach das Tempo.
Beim Verlassen der Verpflegungsstation lief er drei Meilen knapp unter sechs Minuten pro Meile. Er spürte, dass jetzt der richtige Zeitpunkt war, Druck zu machen und sein Körper spielte mit.
„Außer Eli Hemming war nach diesem Abschnitt eigentlich niemand bereit, das Tempo weiter anzuziehen.“
Das Rennen reduzierte sich auf zwei. Doch selbst für Hemming war diese Phase zu fordernd – einige Meilen später musste er abreißen lassen.
Black Canyon ist tückisch. Es geht nicht darum, die größte Attacke zu setzen – sondern die richtige.
Wo das Rennen wirklich entschieden wurde
Statistisch gesehen öffnet sich das Feld etwa ab Meile 37, kurz nach Black Canyon City. Hier werden die Abstände größer, hier zeigt sich die Müdigkeit – und hier konnte Hans sich endgültig lösen.
Doch eigentlich, sagt er, wird das Rennen viel früher entschieden.
Der schnelle Start bergab verleitet dazu, zu viel zu riskieren. Wer sein Tempo und seine Herzfrequenz nicht im Griff hat, zahlt später den Preis. In einem 100-Kilometer-Rennen sind frühe Fehler schwerwiegender als späte. Sie summieren sich, zehren an den Reserven – und wenn dann jemand attackiert, fehlt die Kraft zur Antwort.
Allerdings verlief auch Hans’ Rennen nicht vollkommen reibungslos.
Drei Meilen am Limit

Spät im Rennen verschätzte er sich bei der Distanz zur nächsten Verpflegungsstation. Erst ging ihm das Wasser aus, dann die Kohlenhydrate.
„Es war dieser neun Meilen lange Abschnitt ohne Verpflegung. Etwa auf halber Strecke war alles leer – und ich wusste: Das ist nicht gut.“
Die Auswirkungen kamen verzögert. Als der Einbruch einsetzte, hatte er bereits wieder Energie aufgenommen.
„Bei Table Mesa hatte ich für etwa drei Meilen einen richtigen Hänger. Die Beine wollten einfach nicht mehr. Zum Glück war ich genau dort und konnte alles wieder auffüllen.“
Auf dem letzten großen Anstieg stand das Rennen kurz auf der Kippe. Doch Hans fing sich – und fand seinen Rhythmus zurück.
„Fast wäre es ein großer Fehler geworden. Aber Kohlenhydrate wirken manchmal wie Magie.“
Der letzte Abschnitt

Die letzten Kilometer waren emotional. Der Sieg war greifbar, ebenso der Streckenrekord. Die Euphorie gab ihm zusätzliche Energie.
„Ich glaube, ich bin die letzten Kilometer knapp unter einer 7er-Pace gelaufen, aber es fühlte sich eher wie 5:30 an.“
Zwei Jahre nachdem ihn dieser Kurs ins Krankenhaus gebracht hatte, lief er nun als Streckenrekordhalter ins Ziel.
Und selbst dann dachte er schon darüber nach, was noch besser hätte laufen können. Ein paar Anpassungen. Ein paar klügere Entscheidungen. Vielleicht beim nächsten Mal ein paar Minuten schneller.
Vielleicht.
Black Canyon ist tückisch.
Dieses Mal hat Hans Troyer das Rennen perfekt gemeistert.

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