Max spricht über das Cocodona 250 nicht wie über ein Rennen. Für ihn ist es eher eine Erfahrung. In der Ergebnisliste steht offiziell ein DNF zwölf Meilen vor dem Ziel, aber die eigentliche Geschichte – und das, was er daraus mitgenommen hat – geht weit darüber hinaus.

2026 steht er wieder an der Startlinie, inzwischen als COROS-Athlet. Noch wichtiger aber: als jemand, der eine offene Rechnung hat. Die Strecke kennt er bereits. Sie ist ein Ort, an dem ihm etwas genommen wurde – und an den er es zurückholen will.

Beim letzten Mal kam er bis auf 238 der 250 Meilen. Nah genug, um das Ziel fast schon vor Augen zu haben. Und dann wurde er ins Krankenhaus gebracht.




Der Sturm vor dem Sturm

Die Geschichte von 2025 beginnt eine Woche vor dem Start, mit dem leisen, unangenehmen Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Max wurde am Montag vor dem Rennen krank. Zunächst wirkte es harmlos: Halsschmerzen, vielleicht etwas, das wieder verschwindet. Er sagte sich, was sich Athlet:innen in solchen Momenten immer sagen: Morgen geht’s mir besser.

Doch dieses Morgen kam nicht.

Jeden Tag wurde das Gefühl schwerer, die Brust enger, der Husten tiefer. Als er schließlich in Arizona ankam, hatte er seit Tagen kaum geschlafen. Die Nächte bestanden aus Fragmenten – Hustenanfälle, Decke anstarren, sich einreden, dass es nur vorübergehend ist.

Und trotzdem glaubte er, dass er es „aussitzen“ kann. Es war nicht das erste Mal, dass Max sich durch Schmerz und Unwohlsein gekämpft hatte.

Diese Überzeugung nahm er mit an die Startlinie. Und in den ersten Anstieg. Die Beine fühlten sich gut an – aber die Lunge spielte nicht mit. Jeder Atemzug war flach, abgehackt. Jeder Ausatemzug kam mit etwas, das er nicht ignorieren konnte.

Was habe ich mir hier eigentlich angetan?

Angst wurde zum Hintergrund seines Rennens. Sie saß in den Lücken zwischen den Verpflegungspunkten, in den langen Abschnitten, in denen Zweifel wachsen konnten. Nicht die Distanz machte ihm Angst – sondern das Gefühl, dass sein Körper an anderer Stelle versagte, vor allem beim Atmen.

Es gab keine große Strategie, nur ein Ziel: die nächste Aid Station erreichen. Und dann die nächste. Und die nächste.

Stunden wurden zu einem Tag. Dann zu einem weiteren.

Irgendwie arbeitete er sich nach vorne. Tief im Rennen stand er plötzlich in den Top Ten. Von außen wirkte es wie Stärke, wie Widerstandskraft. Innen war es reine Überlebensarbeit.

„Ich hätte wahrscheinlich aufgeben sollen“, sagte er später. „Aber ich habe mir diese Option einfach nie gegeben.“




Als er die vorletzte Verpflegungsstation erreichte, hielt er immer noch daran fest, dass das Finish unvermeidlich sei. Über 200 Meilen hatte er bereits hinter sich. Krankheit, Erschöpfung, der langsame Zerfall des Körpers. Noch zwölf Meilen.

Das Ende kam nicht dramatisch. Kein plötzlicher Zusammenbruch. Kein einzelner Moment des Scheiterns. Er setzte sich. Ruhte sich aus. Und als er wieder aufstehen wollte, reagierte sein Körper nicht mehr.

Er hat nicht aktiv aufgehört, aber es gab auch nichts mehr zu verhandeln. Seine Füße, entzündet und infiziert nach Tagen unter extremen Bedingungen, hatten eine Zellulitis entwickelt. Schuhe anziehen? Unmöglich. Aufstehen? Ging nicht. Ein Schritt? Undenkbar.

„Ich wollte unbedingt finishen“, sagte er. „Aber ich konnte nicht mal aufstehen. Wie soll ich laufen, wenn ich nicht mal stehen kann?“

Zum ersten Mal in seiner Laufkarriere beendete er ein Rennen nicht.



„Ich habe so viel durchgemacht und bin so weit gekommen – in so einem schlechten Zustand –, dass mir das Selbstvertrauen gegeben hat. Ich kann jedes dieser Rennen finishen, wirklich jedes, solange ich nicht schlechter dastehe als beim Cocodona.“

„Das Wichtigste, was ich aus dem letzten Jahr mitgenommen habe: Es hat keinen Sinn, bei Krankheit oder Verletzung an den Start zu gehen.“

Er hat gelernt, was es kostet, frühe Warnsignale zu ignorieren. Dass ein Start in angeschlagenem Zustand keine Härte ist, sondern ein Risiko.

„Wenn ich mich davon hätte besiegen lassen, dann wäre das wirklich ein Scheitern gewesen.“




Strategische Revanche

Max sieht das, was beim Cocodona passiert ist, nicht als Niederlage. Nicht mehr.

„Wenn ich mich davon hätte besiegen lassen“, sagt er, „dann wäre das ein Scheitern gewesen.“

Übrig geblieben ist vor allem eines: wertvolle Informationen. Hart erarbeitet, brutal ehrlich, aber Informationen. Und genau damit begann er, seinen Run für 2026 zu planen.

Die erste Erkenntnis war die schwerste: Er vermutet, dass er in der Vorbereitung zu stark trainiert hat und dadurch sein Immunsystem in der Taper-Phase geschwächt wurde.

„Dieses Jahr habe ich das stärker im Blick und das Volumen etwas reduziert. Mein Körper und meine Gesundheit reagieren darauf bisher sehr gut.“

Weniger hat sich überraschend als mehr erwiesen. Die Leistungswerte sind gestiegen: Seine COROS Basisfitness kletterte in dieser Vorbereitung von 141 auf 190. Die VO2max von 60 auf 63. Seine Schwellenpace verbesserte sich von 6:18 auf 5:35 pro Meile. Das reduzierte Volumen wurde durch höhere Intensität kompensiert.

„Ich laufe in den letzten drei Monaten konstant gutes Volumen, meist zwischen 130 und 140 Meilen pro Woche, dazu Krafttraining, Intervalle und Hitzetraining“, sagt Max.

Ein Blick auf seine Wochenverteilung zeigt, wie bewusst das gesteuert wird: Fast das gesamte Pensum liegt in Herzfrequenzzone 1 und 2, nur wenige Einheiten in Zone 3 und 4, alles über der Schwelle ist nahezu ausgeschlossen. Das Training ist klar auf Rennen jenseits der 200 Meilen ausgelegt.

Ein weiterer wichtiger Punkt war der Mangel an Daten im Vorjahr. Damals, noch ohne COROS, fiel seine Uhr während des Rennens aus und die Datei wurde beschädigt. Es blieb kaum verwertbares Material für die Planung.

Dieses Jahr ist das anders. Als COROS-Athlet hat er nun eine Uhr, die genau für solche Belastungen gemacht ist. Turn-by-turn Navigation hält ihn auf Kurs, die Ernährungsalarme verhindern Energieeinbrüche. Der COROS Herzfrequenzmonitor und der COROS POD arbeiten zusammen, um jede Einheit – selbst Hitzetraining auf dem Laufband – möglichst exakt abzubilden.




Das Feuer am Leben halten

Die Angst vor dem, was dieses Rennen mit einem Menschen machen kann, ist nicht verschwunden. Und Max würde das auch nicht wollen.

„Ein bisschen Zweifel ist gut“, sagt er. „Das hält dich ehrlich.“

Diese Rennen sind zu lang, zu unberechenbar für falsches Selbstvertrauen. Max sieht sich selbst noch immer als Rookie in der 200-Meilen-Welt – am Lernen, am Fehler machen, auf der Suche danach, wie ein „sauberes“ Rennen überhaupt aussieht. Jeder Versuch hatte bisher seine eigenen Brüche. Manche Lektionen zeigen sich erst nach vielen Stunden Konsequenz.

Aber Zweifel, so hat er entschieden, muss kein Gewicht sein. Er kann scharf werden.

„Zweifel kann Treibstoff sein.“

Also nutzt er ihn – im Training, in der Vorbereitung, in den kleinen Entscheidungen, die sich später summieren. Er verhindert Abkürzungen, schützt vor Selbsttäuschung und davor, schon angeschlagen an die Startlinie zu gehen.

Dieses Jahr ist das Ziel klar. Kein Podium – auch wenn das irgendwo im Hinterkopf immer mitschwingt. Etwas Einfacheres. Und gleichzeitig Schwereres.

Ein Finish.

Über Konkurrenten spricht er kaum. Wenn doch, dann mit Respekt. Der eigentliche Gegner ist groß genug: das Rennen selbst. Cocodona hat ihn geschlagen. Zwölf Meilen vor dem Ziel hat es ihm etwas genommen.

„Ich laufe gegen die Strecke“, sagt er. „Das Rennen hat mich letztes Jahr geschlagen. Ich will es mir zurückholen.“

Dieses Jahr kommt er mit Klarheit zurück – über seinen Körper, seine Vorbereitung und den schmalen Grat zwischen weiter pushen und gar nicht erst starten. Die Lektionen aus 2025 sind nicht vergessen, sondern sortiert und einsatzbereit. Nicht als Last – sondern als Führung.

Zwölf Meilen sind für ihn heute keine abstrakte Distanz mehr.

Sie fühlen sich nah genug an, um erreichbar zu sein. Und weit genug, um alles zu verlangen, was er hat.

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